Symposium 2015 – Die digitale Revolution – Ökonomie neu gedacht

Digitale Revolution

Das 15. Ökonomische Symposium des Humboldt-Forums Wirtschaft fand am 27. Mai 2015 unter dem Titel „Digitale Revolution“ statt.

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Welt ist im Inbegriff alle Bereiche unseres Lebens zu erfassen. Eine Entwicklung hat begonnen, die in ihrem Ausmaß mit den gesellschaftlichen und politischen Folgen der Industriellen Revolution des 19. Jahrhundert vergleichbar ist. Wie wir heute Informationen erhalten und verarbeiten, unsere sozialen Kontakte knüpfen und pflegen, die Art unseren Wirtschaftens hat sich im Laufe des letzten Jahrzehntes drastisch verändert.

In drei Podien zu den Themen „Sharing-Economy“, „Marktmacht im Internet“, „alternative Zahlungsmethoden“ und einem Informationsgespräch „Start-Ups“ wurde jeweils ein Teilaspekt des digitalen Wandels beleuchtet. Während des Symposiums 2015 wurden Entwicklungen und mögliche Folgen präsentiert und diskutiert. Auch der möglicherweise notwendige Anspruch an die Politik, Gesetze und Regulierungen an die veränderten Bedingungen anzupassen, sind in der Debatte beleuchtet worden.

Unser Ziel sahen wir in einer anregenden, faktenreichen Debatte, die es vermag auf Chancen und Risiken der gegenwärtigen Entwicklung aufmerksam zu machen.

 

1. Podium: Marktmacht im Internet

Über 90 % aller Suchanfragen in Deutschland werden durch Google abgewickelt. Neben der ursprünglichen Suchmaschine hat es der Konzern aus dem kalifornischen Mountain View mit kostenlosen Angeboten wie Google Maps, Google Translate und Tools zur Textverarbeitung wie Google Drive geschafft, ein Teil unseres Lebens zu werden.

Eine klassische Monopolsituation könnte man meinen. Diese steht allerdings im Widerspruch zur Existenz von konkurrenzfähigen Alternativen.
Wirft man einen Blick in andere Länder, zeigt sich, dass Internetfirmen wie Google zwar global agieren, aber nicht global dominieren.

So kommen in den USA Konkurrenten wie Bing und Yahoo zusammen auf einen Marktanteil von immerhin ca. 30 %. Wodurch unterscheiden sich also der Wettbewerb im Internet und im alltäglichen Leben „offline“? Spielen Netzwerkeffekte beim stetigen Wachstum der Konzerne eine Rolle oder honorieren die Nutzer schlichtweg die besten, innovativsten Produkte?

Ende November 2014 beschloss das EU-Parlament eine mögliche Entflechtung großer Internetkonzerne zu prüfen. Aber ist eine wettbewerbsrechtliche Regulierung solch großer Unternehmen überhaupt erstrebenswert und nötig oder beschneidet sie einen der kreativsten Wirtschaftssektoren der heutigen Zeit? Was kennzeichnet eine digitale Monopolstellung und kann es eine solche auf lange Sicht überhaupt geben?

 

2. Podium: Sharing-Economy
 – eine Abkehr vom Besitzgedanken?

Teilen statt wegwerfen, nutzen statt besitzen. Die Wirtschaft des Teilens gilt vielen ökologisch denkenden Menschen heute als Hoffnungsträgerin für eine nachhaltige Wirtschaftsform. Werden Räume, Autos, Geräte, Nahrungsmittel oder Kleidungsstücke in der Sharing-Economy gemeinschaftlich genutzt – also geteilt, getauscht, verliehen oder verschenkt –, braucht man in aller Regel deutlich weniger Material, Energie und Fläche.

Was wie die Verwirklichung einer idealistischen Utopie klingt, hat längst begonnen. Vor allem während Phasen schwacher Konjunktur nutzten immer mehr Menschen diese Geschäftsmodelle, um bei schwindenden Arbeitszeiten und sinkenden Löhnen ihren Unterhalt zu sichern. Heute ist das Phänomen längst keine Nischenerscheinung mehr. Wie jeder neue Trend hat aber auch dieser seine Gegenstimmen und Kritiker. Bestehende Unternehmen versuchen ihre Geschäftsmodelle vor der Konkurrenz der Sharing-Economy zu schützen. Beispielhaft ist der Protest der Taxigewerkschaft und Hotellobby gegen asymmetrischen Wettbewerb und mangelhafte Regulierung bei Konkurrenten im Internet.

Dieses Podium soll einen Ausblick geben, wie der Trend zum Teilen unseren Alltag und unser ökonomisches Handeln beeinflussen wird. Weiterhin soll diskutiert werden, welche politischen Maßnahmen das ökologische, soziale und ökonomische Potential dieses Trends, im Sinne der Gesellschaft, optimal entfalten können.

 

Informationsgespräch: Start-Up – Risiko, Investoren und große Ideen

Ist Berlin das neue kreative Zentrum Europas? Im Schnitt wird hier jede Woche ein neues Internetunternehmen gegründet – so oft wie nirgendwo sonst in Deutschland. Vom „deutschen Silicon Valley“ bis hin zu „Hauptstadt des Scheiterns“ wird gesprochen. Jeder dieser Begriffe spiegelt den Geist dieses Marktes auf seine Weise wieder, und lässt erahnen, dass es neben einigen erfolgreichen Unternehmungen auch genügend Fehlversuche gibt.

Dennoch, die hiesige Gründerszene ist dynamisch, ein Anzugspunkt für Gründer aus aller Welt. Doch was sind die Risiken in diesem wachsenden Markt zu gründen oder für ein Startup zu arbeiten?
In einem Interview soll als informative Stütze einen kleiner Einblick in die Entwicklung eines Start-Up Unternehmens gewährt werden. Von der genialen Idee bis zur ihrer Realisierung – mit welchen Widrigkeiten kämpfen die Gründer? Wie beurteilen sie die aktuelle Lage? Ist die „Goldgräberstimmung“ schon vorbei, oder hat sie gerade erst begonnen?

Wir erhoffen uns von diesem Interview Antworten auf diese Fragen und einen spannenden Einblick in die Welt der Jungunternehmer, die den Arbeitsmarkt im Moment prägen, wie sonst kaum eine andere Branche in Berlin.

 

3. Podium: Alternative Zahlungsmethoden – Eine Welt ohne Bargeld?

In den letzten Jahren ist eine verstärkte Entwicklung weg von Bargeld und hin zu alternativen Zahlungsmöglichkeiten zu beobachten. Auf aufstrebenden Märkten ermöglichen Technologien wie Mobile-Payment neue Handelsstrukturen. In Skandinavien wird ein komplett bargeldloser Zahlungsverkehr in Betracht gezogen und Ökonomen schwärmen bereits von den Vorteilen einer Gesellschaft ohne Papiergeld. Doch welche Chancen und Risiken entstehen durch digitale Zahlungsmittel? Könnten alternative Zahlungsmethoden dazu führen, dass nicht nur Bargeld sondern langfristig auch Währungen verschwinden und welche Folgen entstünden für die Gesellschaft?

Eine Abkehr vom Bargeld böte neue Chancen zur finanzpolitischen Einflussnahme, die an der momentan vorhandenen Möglichkeit zur Bargeldhaltung scheitert. Außerdem könnte so der informelle Sektor, insbesondere Schwarzmarktgeschäfte, besser kontrolliert und eingedämmt werden.

Die bargeldlose Zukunft birgt jedoch auch Konfliktpotential. Alarmierte Verbraucherschützer warnen schon jetzt vor größeren Überwachungsmöglichkeiten bei digitalen Zahlungsmethoden. Vielleicht werden auch deshalb mehr als die Hälfte aller Geschäfte hierzulande noch immer bar getätigt. Verpasst Deutschland einen wichtigen technologischen Wandel oder bestehen berechtigte Bedenken?