Symposium 2013 – Zukunft der Wirtschaft – Wer bringt Ordnung ins Chaos?

Zukunft der Wirtschaft – Wer bringt Ordnung ins Chaos?

Das 13. ökonomische Symposium des Humboldt-Forums Wirtschaft findet am 29. Mai 2013 statt und wird sich mit zukünftigen Anforderungen an eine zeitgemäße Wirtschaft beschäftigen.

Durch tief greifende Veränderungen der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren, verursacht durch die Immobilien-Krise in den USA und die Finanzkrise in Europa, werden zunehmend Fragen nach alternativen Wirtschafts- und Bewirtschaftungskonzepten laut. Sei es in Form von Regulierung der Banken, Konsequenzen des demographischen Wandels oder einer zunehmenden Staatsverschuldung-Probleme stellen sich in allen Bereichen des alltäglichen Lebens und Lösungsansätze werden heiß diskutiert.

Im Rahmen des diesjährigen Symposiums sollen deshalb Trends und alternative Lösungsvorschläge präsentiert und diskutiert werden, um so möglicherweise Antworten auf einige der genannten Probleme zu finden.

Sind wir auf dem richtigen Weg oder steuert die Weltwirtschaft dem Abgrund entgegen? Gibt es eventuell effizientere Modelle, die bisher übersehen wurden?

 

Themen

I Work-Life Balance

Thematisch möchten wir in diesem Podium über die arbeitsmarktpolitischen Folgen des demographischen Wandels in Deutschland sprechen und darüber, wie sich die Bedingungen auf dem deutschen und auch europäischen Arbeitsmarkt verändern werden.

Der demographische Wandel in Deutschland wird Unternehmen zwingen, im Personalmanagement neue Wege zu gehen. Zentrale Frage dabei ist, wie es Unternehmen zukünftig gelingen wird, qualifizierte Arbeitskräfte langfristig an sich zu binden. Wie können sie im „War for Talents“ den entscheidenden Vorsprung erzielen?

Ein weiterer essentieller Aspekt wird der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit sein. Wie kann hier ein für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewinnbringendes Gleichgewicht erzielt werden? Zur Diskussion stehen verschiedene Ansätze, die einen angemessenen Ausgleich zwischen Freizeit und Arbeit schaffen sollen. Dabei möchten wir auch über die Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen und mögliche Wünsche oder Erwartungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern diskutieren und analysieren. Weitere mögliche Aspekte sind beispielsweise die Erreichbarkeit der Arbeitnehmer nach der offiziellen Arbeitszeit, Eingriffe ins Privatleben der Arbeiternehmer und die Rolle einer möglichen staatlichen Regulierung dieser veränderten Arbeitsbedingungen.

Diese und weitere Frage- und Problemstellungen rund um die Work-Life Balance sind Gegenstand unseres ersten Podiums, mit denen sich Katrin Rohmann, Partnerin bei Deloitte sowie Fachfrau für Personalfragen und Katja Kipping, die Parteivorsitzende der Partei Die Linke und Mitglied des Deutschen Bundestages, beschäftigen werden.

 

II Wandel der Güterproduktion – Wer trägt die Realwirtschaft?

„Made in…?“ Innerhalb der letzten Jahrzehnte wurde diese Frage zunehmend mit China oder einem anderen asiatischen Land beantwortet. Doch Lohnkosten in China haben innerhalb der letzten Jahre um circa 10-20% zugelegt. Bisher wird China, auch wegen seiner Rolle als neuer Wettbewerbsmarkt, weiterhin als Produktionsstandort gewählt. Doch könnte bald eine Grenze erreicht sein, bei welcher solche Überlegungen in den Hintergrund treten? Wer wird neuer Anbieter billiger Arbeit? Oder löst eine zunehmende Automatisierung der Produktion das Problem `hoher Löhne´?
Im Jahre 2010 betrug der Anteil der verarbeitenden Industrie an Großbritanniens BIP nur noch knapp über 10%. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass hier mit der Industriellen Revolution unsere moderne Produktionstechnologie ihren Anfang nahm. Dieses Beispiel beschreibt am drastischsten eine von vielen Veränderungen unserer wirtschaftlichen Situation. Wie sieht es in anderen Ländern Europas oder der westlichen Welt aus? Verlieren wir durch abwandernde Arbeit einen wichtigen Teil unseres technischen Know-Hows? Wer trägt schlussendlich die Realwirtschaft im Zuge zunehmenden gesellschaftlichen Aufstiegs auch in ärmeren Ländern?
„Custom Design“, sei es in Form von Hüllen für das Mobiltelefon oder anderen Gegenständen des alltäglichen Lebens, spielt eine zunehmende Rolle in der Produktion von Produkten. 3D-Printing befindet sich derzeit noch in einem Entwicklungsstadium, wird aber als die Produktionstechnologie der Zukunft angesehen. Viele Unternehmen nutzen diese Technologie bereits um kundespezifische Wünsche umzusetzen. Steigt der Einfluss der Konsumenten auf die Art der produzierten Produkte? Findet deshalb eine Rückverlagerung der Produktion aus dem Ausland zurück zum heimischen Markt statt, um eine schnellere Antwort auf neue Trends zu ermöglichen?
Diese und weitere Fragen sollen in einer Podiumsdiskussion erörtert werden. Wir freuen uns zu diesem Zweck Referenten aus dem Bereich der Arbeitsmarktpolitik und Wirtschaftstheorie begrüßen zu dürfen und freuen uns auf eine interessante Gesprächsrunde.

 

III Staatsverschuldung vs. Infrastrukturelle Stagnation

In unserem dritten Podium widmen wir uns einem weiteren für uns offenen Thema der zukünftigen Entwicklung der Wirtschaft. Durch den zunehmenden Druck nationale Schulden abzubauen, möchten wir in dieser Diskussionsrunde erörtern, wie und ob in Zukunft Investitionen getätigt werden können.
Heutzutage sind einige europäische Länder so hoch verschuldet, dass sie oftmals auf infrastrukturelle Investitionen verzichten müssen. Wie die Geschichte zeigt, sind diese Investitionen allerdings eine notwendige Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum.
In den letzten Jahren kam es vermehrt zu Public-Private Partnership Projekten, bei denen öffentliche Projekte von privaten Unternehmen finanziert werden. Können sich in Zukunft solche Formen der Investition durchsetzen? Welchen Einfluss hätte dies auf die betroffenen Industriezweige? Wie sehen die Folgen auf die größten deutschen und europäischen Infrastrukturprojekte aus? Gute Beispiele sind der Bau des Berliner Flughafens BBI, Stuttgart 21 und der Bau der Brücke über die Straße von Messina.
In diesem Podium möchten wir Ansätze finden, wo das optimale Gleichgewicht zwischen öffentlicher Verschuldung und Investitionen liegen könnte beziehungsweise in der Zukunft liegen wird.
Es freut uns, dass wir mit Andreas Matthes einen Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Bernhard Scholz der Deutschen Pfandbriefbank, sowie Prof. em. Dr. Charles Blankart aus dem Forschungsbereich öffentlicher Finanzen gewinnen konnten.

 

IV Zukunft der Banken

In unserem für heute letzten Podium möchten wir uns einem heiß diskutierten Thema widmen: Die Zukunft der Banken. In den vergangenen Jahren hat die ganze Welt auf sie geschaut und geschimpft. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise wurde viel über Bankenregulierung gewetteifert – Politiker möchten Banken durch die Regulierung des Handels und der Händlervergütung enger an die Leine nehmen.

Mit neuen Ideen kommen Alternativen zu den klassischen Banken zum Ausdruck. So achten Konsumenten zunehmend auf nachhaltige Investments; Start-Up Unternehmen verzichten weitestgehend auf Banken als Kapitalgeber und greifen auf Crowdfunding zurück. Beim Crowdfunding handelt es sich um eine alternative Form der Finanzierung – über eine Internetplattform informieren sich kleine und große Investoren über Projekte, Produkte und neue Geschäftsideen, um diese schon mit geringen Beträgen zu unterstützen.

Weiterhin möchten wir darüber sprechen, wie das konventionelle Finanzsystem besser gestaltet werden könnte und welche Schritte hierzu notwendig sind. Dazu haben wir Gäste mit verschiedenen Hintergründen und Ideen eingeladen, um eine spannende und kontroverse Diskussion zu bieten. Mit der GLS Bank lernen wir heute ein Finanzinstitut kennen, das ausschließlich nach sozialen und ökologischen Kriterien investiert. Wir hoffen verschiedene Sichtweisen zu hören, wie das Finanzsystem der Zukunft gestaltet werden kann. Doch wir wollen auch erfahren, welche Schritte bisher zu Erfolg oder Misserfolg geführt haben.

Als Gäste dieses Podium freuen wir uns auf Werner Landwehr, Leiter der GLS Bank Berlin, Dr. Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Thomas Herzog der Innovestment GmbH, Thomas Fricke, Chefökonom der Financial Times Deutschland a.D., sowie auf Hans-Olaf Henkel, Präsident des BDI a.D.